Hallo, mein Name ist Oliver.

Ich bin ein freiberuflicher Grafikdesigner und habe meinen Schwerpunkt auf der Konzeption und Gestaltung im Bereich Print. Die Arbeiten auf dieser Seite sind hauptsächlich während meines Studiums an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig entstanden.

My Work

LAURENT MERLOT: DER BERG ZAGT

Das Prinzip „Entdeckungsreisender“

5-Kegelbahn

James Cook, Alexander von Humboldt, David Livingstone, Roald Amundsen – die Liste der großen Entdeckungsreisenden könnte beliebig verlängert werden. Alle suchten sie die Weite, das Unerforschte und definierten damit immer wieder neu die Grenzen der von Menschen berührten Zonen auf dem Globus.

Es gibt unzählige Geschichten über aufregende Expeditionen, die den Leser in ein vollkommen fremde, surreale Länder führen – allerdings wandelte sich aber die Darstellung dieser Reisen mit der Einführung des Medienzeitalters: Die neu gewonnen Möglichkeiten der filmischen Dokumentation verschärften die Selbstdarstellung hin zu annähernd grotesken Soloauftritten. Heute wird auf alle verfügbaren Vermarktungsstrategien zurückgegriffen. Wenn Reinhold Messner einen 7000er ohne Sauerstoffgerät besteigt, dann ist mindestens eine Kamera dabei, damit dieses erhebende Ereignis später fotografisch in ein Buch oder wenigstens einen Diavortrag eingehen kann. Ein Filmteam hält die wichtigsten Szenen auf Band fest, um sie später in Form einer interaktiven DVD zu verkaufen. Später hält Messner Motivationsvorträge über Risikomanagement für Unternehmen („Der Berg ist das Vorhaben“) und auf seiner Internetseite wirbt er für sein eigenes Weingut in Agricola Unterortl. – Das ist kein Scherz sondern bittere Wahrheit…

Üblicherweise gründet der moderne Entdeckungsreisende noch eine „Gesellschaft zur Erhaltung von X“. X ist die Variable für Ort oder Medium, welcher bzw. welches ihm zur Berühmtheit verholfen hat. Zu nennen ist hier an erster Stelle der grandiose Jacques-Yves Cousteau, Tierfilmer und rotbemützter Tiefseetaucher, der in meiner Kindheit für außergewöhnliche Dokumentationen stand. Meine Recherche über Entdeckungsreisende führte mich zu seiner „Cousteau-Gesellschaft zur Erforschung und zum Schutz der Meere“. Hier scheint die Komplexität der Inszenierung ein besonderes Ausmaß erreicht zu haben: Cousteau selbst hat ein Logo, eine einheitliche Farbgebung in sämtlichen Publikationen und selbst seine Mitarbeiter tragen die gleiche rote Mütze wie er. Er wird Präsident der „Französischen ozeanografischen Gesellschaft“ und Leiter des „Ozeanographischen Instituts von Monaco“. Dass eben dieses Institut von Monaco kurz nach seinem Tod durch einen Wasserwechsel der Aquarien, den Ausgangspunkt bildet für eine weltweite Algenpest, die das Leben in ganzen Weltmeeren bedroht, ist folgenschwere Ironie des Schicksals.

Dieser Thematik, mit ihren tragikkomischen Elementen, wollte ich mich im Rahmen einer fiktiven Geschichte annähern. Da für mich aber der Rückgriff auf bestehendes Textmaterial außer Frage stand, erfand ich kurzerhand selbst die Geschichte eines Entdeckungsreisenden. Nach längeren Überlegungen legte ich mich auf meinen Protagonisten Laurent Merlot fest, einen einst erfolgreichen Entdeckungsreisenden der Berge, welcher auf unbeholfene Art große Entdecker imitiert und sich gekonnt ihrer Vermarktungsstrategien bedient: So ist er Autor und Verleger seiner Bücher – natürlich in liebevoller Kleinstauflage gedruckt, bekleidet den Leitungsposten seines Instituts – welches gleichzeitig sein Wohnhaus ist und betreibt ständig Eigenwerbung in seinen Büchern. Ich traf die Entscheidung, dem Textanteil des Buches einen großen Bildanteil gegenüberstellen, welcher die Authentizität der Geschichte aus der Sicht Merlots untermauern, sie für den Leser jedoch ironisch brechen sollte.

Schon zu Beginn meiner Arbeit stand für mich fest, dass ich lediglich mit einem Fotomodell arbeiten würde. Dieses sollte dann alle Personen im Bild verkörpern. Farbige Pudelmützen, unterschiedliche Schneebrillen, Rucksäcken und diverse Utensilien ermöglichten mir, die verschiedenen Charaktere für den Betrachter unterscheidbar zu machen und gleichzeitig Verwirrung zu stiften. Die Beschaffung der Gegenstände für eine halbwegs glaubwürdige Expeditionsausrüstung erwies sich als schwierig und zeitintensiv. Da ich die Geschichte auf 1964 datieren wollte, mussten die Ausstattungsgegenstände an diese Zeit erinnern. Ebay-Auktionen ermöglichten mir, die benötigten Gegenstände zu einem halbwegs vertretbaren Preis zu ersteigern. Danach fertigte ich die im Rahmen der Handlung zu entdeckenden Tiere an: Zwei Tölpelpinguine aus Pappmaschee und einen Burang Burang Krebs aus Fimo. Bei der Anfertigung musste ich bereits die Körperhaltung der Tiere an die für das Foto geplante Situation anpassen. Durch den Kauf eines Expeditionszeltes legte ich die Farben für das Logo und alle kommenden Anschaffungen fest. Ich wählte eine für die Zeit typische Farbkombination aus orange, braun und weiß.

Bei Materialauswahl, Logokonzept und Anlage der Geschichte war ich trotz aller Surrealität  mindestens um den Schein von Authentizität bemüht. Diesen Schein entschied ich durch die Bildästhetik digitaler Fotografie wissentlich zu brechen und zwar aus zwei Gründen: Zum einen wollte ich mit der digitalen Fotografie ein Spannungsfeld aufbauen, welches die Authentizität der Geschichte im generell Dargestellten untermauert, im Detail jedoch widerlegt. Zum anderen ist der Entwicklungsprozess erheblich verkürzt und ermöglicht eine schnelle digitale Nachbearbeitung bei gleichzeitiger Reduktion der Kosten.

Comments are closed.